
Warum es sich wie zuhause anfühlt
Maria hatte meinen Koffer geöffnet, bevor ich die Tür erreichte. Klara hatte Olivenöl auf die Küchentheke gestellt, bevor wir überhaupt eingetreten waren. Am nächsten Morgen öffnete ich die Balkontür und Telendos war direkt da; der Wirt von der Taverne unten begrüßte mich mit Namen. Drei Nächte später wusste ich immer noch nicht, warum ich mich so geerdet fühlte — dann fiel der Groschen: niemand verkauft dir etwas. Kein Frühstücks-Upselling, keine Extras, kein Druck. Nur Schlüssel, warme Lächeln und der Satz: Klopf, wenn du was brauchst. Du weißt nicht, ob du Gast bist oder Familie. Im zweiten Jahr fühlte sich das Empfangen so selbstverständlich an, als wäre ich nie weggewesen.

Wie ein Kletterparadies leise blieb
Etwas, das ich beim ersten Besuch nicht wusste: diese Kalksteinwände waren bis 1996 für Besucher unsichtbar. Ein italienischer Kletterer eröffnete in jenem Jahr vierzig Routen. Dreißig Jahre später sind es dreitausendfünfhundert, und die meisten Bolts setzen die Kletterer immer noch in ihrer eigenen Zeit. Das Seltsame: ich hatte akzeptiert, in der Welthauptstadt des Sportkletterns zu sein, aber im Hafen von Pothia flickten die Fischer noch immer Netze, Ziegen liefen über die Straße nach Arginonta, der Massouri-Laden machte Mittagspause. Eine Art unsichtbarer Tourismus. Am ersten Abend dachte ich auf der Ibiscus-Terrasse: dieser Ort ist besonders geblieben, weil er nichts vorspielt.

Fünf kleine Momente, für die sich die Reise lohnt
1. Das Licht um 19:04 Uhr Ende September, wenn Telendos die Sonne von hinten auffängt und bronzefarben wird. Vom Balkon aus. 2. Das Caique von Myrties nach Telendos. Zehn Minuten hinüber. Drei Tavernen auf der anderen Seite. Keine Autos, keine Roller, eine byzantinische Kapelle oben auf einem Ziegenpfad. 3. 6. Januar, Epiphanie-Morgen in Pothia. Der Priester wirft das Kreuz in den Hafen, junge Männer tauchen im kalten Wasser danach. Das ist das Winterereignis, für das es sich zu bleiben lohnt. 4. Die Fahrt hinunter ins Vathy-Tal Ende April. Zitronenhaine in Blüte. Man riecht das Dorf, bevor man es sieht. 5. Frühstück am fünften Tag, wenn du an der Bäckerei vorbeigehst und Maria grüßt, ohne aufzuschauen. Du bist jetzt Stammgast.

Praktisch: wann kommen
März bis Mai: Frühlingsklettern, Wildblumen, kühle Nächte, alle Tavernen ab Mitte April offen. Verlässlich. Unser Lieblingsabschnitt. Juni bis August: heiß, Familiensaison, das Meer am wärmsten. Vormittags am Strand, nachmittags im Schatten, Abendessen nach neun. September bis November: Kletterhochsaison. Besonders der Oktober — zweiundzwanzig Grad am Tag, kurze Schatten, ein Dorf voller Kletterer aus allen Ländern Europas. Dezember bis Februar: ruhig, günstig, mild genug. Dreißig Tavernen bleiben offen, der Supermarkt schließt nie, die südseitigen Felsen sind an sonnigen Tagen kletterbar. Die Touristen sind weg. Das ist Kalymnos, das mit sich selbst spricht.

Wie du uns erreichst
Kalymnos hat einen kommerziellen Flughafen, aber Direktflüge müssen saisonal geprüft werden. Alternative: nach Kos (KGS) fliegen, fünfzehn Minuten mit dem Taxi zum Hafen Mastichari, maximal fünfundfünfzig Minuten mit der Fähre nach Pothia, fünfundzwanzig Minuten nach Massouri. Von den meisten europäischen Hauptstädten Tür zu Tür: fünf bis sechs Stunden. Alternative: Nachtfähre ab Piräus — elf Stunden, direkt zum Hafen von Pothia.

